Ein Bayer sagt “Nein”
Dialekt ist besonders schön, wenn er so richtig bildhaft wird. Im Bayrischen wird es dann schnell mal kantig-brutal und selbst eigentlich charmant klingende Begriffe sind weit weniger nett als ihr Klang. Aber natürlich macht auch hier wieder der Ton die Musik.
Du konnst ma moi an Buckel runterrutschn:
Du konnst ma an Schuah aufblosn:
Du konnst mi gern hom:
Bayrisch ist natürlich nicht gleich bayrisch:
Ich bin gebürtige Garmischerin. Während ich Münchn oder Münschn sagen würde, sagt der Münchner auch “Minga”. Oder statt glaffn -> glaffa. Oder statt “ma” natürlich auch “mia”. Wenn Sie also auch aus Bayern sind, stimmen Sie meiner Aussprache (und Schreibweise) nicht unbedingt zu.
Sehr lustig ist übrigens auch das “Fugen-R”. Das habe ich so getauft, weil ich mich noch gut an den Schreibmaschinen-Unterricht in der Realschule erinnere, wo ich gelernt habe, dass es ein Fugen-S gibt (“Haushaltswaren/Haushaltwaren”).
So kann man auch sagen: “Du konnst maramoi (den Buckel runterrutschen/an Schuah aufblosn)”. Das macht es gleich melodiöser … aber auch irgendwie unverständlicher.
Wenn Sie auch lustige “Nein-Umschreibungen” kennen – das muss nicht bayrisch sein, dann schreiben Sie sie doch in die Kommentare. Wenn man sie lustig bebildern kann, ergänze ich sie zusätzlich gerne hier im Artikel.
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Auf schreibnudel.de gibt es zahlreiche Vorschläge. Hier mal ein paar, zu denen mir ein Bild eingefallen ist:
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von Dagmar: “Ich glaub, mein Hamster bohnert.”
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von Lucia: “Dir hat wohl ein Pferd ins Gehirn geschissen?”
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von Eva: “Das ist nicht Dein Ernst!”
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Dagmar hat “Mein Schwein pfeift” vorgeschlagen:










Ich sprech zwar keinen Dialekt, kann mich aber an ein paar verneinende Aussprüche meiner Verwandtschaft erinnern. Außenstehende kommen dabei nicht immer auf “nein”.
Allens een Övergang –
Alles geht mal vorüber, gibt es auch innerhalb eines derben Sprichwortes wobei entweder Bauer oder seine Frau auf eine Mistforke gespießt wird. Je nachdem, wer das Zeitliche segnen könnte.
Dat is ‘n Malheur (Pech, da ist schon was schief gegangen und beim nächsten mal sagt man halt nein)
Büten blank – binnen kraank. Außen hui und innen pfui (macht man keine Geschäfte mit)
Dat gifft ok Tieden, wo een Nordlicht mol keen Tiet hett för een Klönschnack
Es gibt Zeiten, wo man mal keine Zeit zum Plaudern hat. Kann grantelig oder freundlich gemeint sein, kommt auf den Tonfall an.
Je mehr mitgeteilt wird, desto besser mag man jemanden bzw. ist höflicher. Ein kurzes nee oder näää ist ziemlich unfreundlich. Es sei denn, man kennt sich gut und der andere weiß im Prinzip welche Antwort kommt.
Ps. hab das schon bei schreibnudel.de eingetragen, muss das in beide blogs oder nur in eins? Hänge gerade über dem inhaliergerät, kleinschreibung ist grad einfacher..
ach, noch eens:
lewwer düd as slaav –
Lieber tot als Sklave, seeeehhhhhrrr bekanntes friesisches sprichwort und gilt als absolutes nein. Oft vor sich hin gebrummelt, mal aber auch energisch mitgeteilt.
Oh, Gitte, wie süß” Ich adoptiere den goldigen Hamster. So einen kann ich gut brauchen. Auf die Staubsaugerroboter ist nicht unbedingt Verlass, aber so ein soliderGoldhamster ist doch was…. Und bilderreiche Sprache ist auch wunderbar.
“Lewwer duad üs Slaav”
…kenne ich aus einem ganz anderen Kontext:
“Pidder Lüng”, dramatisches Lyrik von Detlev von Liliencron:
http://de.wikisource.org/wiki/Pidder_L%C3%BCng
Übrigens ein sozialreformatorisches Thema, das uns in den nächsten Jahren durchaus wieder beschäftigen könnte – hoffentlich nicht so dramatisch wie damals.
Ach – und noch etwas, da ich Tiroler bin: Unser Pidder Lüng war (vor 500 Jahren bereits) Michael Gaismair http://de.wikipedia.org/wiki/Gaismair, leider verkannt und viel geschmäht.
Ganz liebe Grüße an alle “Nordlichter”
Rappelkopf Christian
Hahaha, jetzt check ich das erst, dass Silke WÄHREND du über dem Inhaliergerät hängst deine Kommentare geschrieben hast!
Du liebe Zeit, das wäre auch ein gutes Bild. – Genau wie Dagmar sagt: Bildreiche Sprache ist wirklich wunderbar, ich entdecke das jetzt erst so richtig, WIE bilderreich viele Sprüche sind – und wieviel Witz oft obendrein drin steckt – je nach Interpretation.
Ich merke an Silkes und Christians Beispielen auch, wie schwierig es “als Outsider” ist, Dialekte zu lesen. Das vergisst man ja oft, gerade, wenn man denkt, dass der eigene Dialekt doch eh recht nah am Deutschen ist (was oft alles andere als der Fall ist). Bei diesen Norddialekten habe ich überhaupt keine Chance!
Gerade gestern habe ich mich mit einer Bekannten darüber amüsiert, dass es auch immer extrem lustig ist, Dialektworte zu lesen.
“Gud Morng” (Guten Morgen)
“An scheena Dog” (Einen schönen Tag!).
“Scheena Oomd” (Schönen Abend)
Das bringt mich jedes Mal wieder zum Kaputtlachen.
In diesem Sinne: An scheena Dog!
Moin, moin Gitte
oder Guten Tag Gitte (moin heißt eigentlich gut und moin, moin ist eine ziemliche Abkürzung für Guten Tag oder Guten Morgen oder… . Auf jeden Fall ist es positiv besetzt.)
Bei meinem letztzten Bayern-Aufenthalt hatte ich in einem kleinen, fränkischen Dorf zu tun. Morgens bin ich noch nicht so ganz wach, meistens jedenfalls nicht. Gegen 7 h zum Bäcker geschlurft und freundlich norddeutsch “moin, moin” gegrüßt. Ein empörter Blick mit einem energischen “Grüß Gott, hier wird anständig gegrüßt!!!” empfing mich. Oha, die Erklärung stimmte den Bäcker freundlicher
.
Grüße und moin, moin (ja, auch zum Abschied geht das)
Silke
Die pfeifenden Schweinchen sind so süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüssssssss!!!
Oh haua haua ha! ist ein wunderschöner Ausruf, wenn etwas wirklich richtig schief gegangen ist.
>>“Grüß Gott, hier wird anständig gegrüßt!!!”
HAHAHAHAHA, das ist großartig! Ich kann es richtig hören!
Das mit dem “Moin” kenne ich seit einigen Jahren – hat mir mal ein Internetbekannter erklärt … und es ist immer wieder äußerst merkwürdig für mich, dass man das immer sagen kann.
Moin!
Gitte
Zwei Wochen lang hatte ich vor kurzem beruflich in BaWü und Bayern zu tun. Die Gruß-Impfung mit “Grüß Gott” und “Servus” bzw. “Ade” prägte sich am ersten Tag ein. Dafür hatte ich dann wieder zuhause im norddeutschen Osnabrück ankommend den heiteren Gegeneffekt. Schräge Blicke begleiteten mich und ein netter Mensch fragte mich doch tatsächlich: “Haben Sie was mit Sprachen zu tun? Ich dachte “ade” käme nur in alten Heimatfilmen vor…”. Uuups. Nein, auch in Schwaben kommt es noch vor, recht häufig wie mir scheint
Umzwitschen auf norddeutsch und Zettel an die Wand.
Das Gruß-Theater (kommt mir immer vor wie Vorhang auf und ein Bühnenbild erscheint) ist ähnlich verzwackt wie die Sache mit der Uhrzeit. Was den einen sein dreiviertel vier ist dem andern sein Fragezeichen – viertel vor oder viertel nach vier?. Auch damit kann es interessant werden. Mit einem Freund traf ich mich gestern um dreiviertel drei. Normalerweise ist er pünktlich. Gestern kam er mir knurrend endgegen: er würde schon eine halbe Stunde warten, wo ich denn bliebe.
Hihi Silke, da haben wir beide voll die gleiche Krankheit, dass wir Sprachmuster im Nullkommanix aufnehmen.
Und die UHRZEIT ist wirklich sowas! Wobei ich natürlich auf dem Standpunkt stehe, dass “Dreiviertel” eindeutig, während “Viertel” völlig absurd verdreht ist.
Zum Glück nicht mehr so gebräuchlich ist übrigens die ebenfalls recht verwirrende Ausdrucksweise
anderthalb
dritthalb
vierthalb
fünfthalb usw…
wobei das angeführte Zahlwort (andert, dritt, viert, fünft…) jeweils nur mehr zur Hälfte gemeint ist, also
anderthalb = 1,5 (ist ja noch recht häufig)
dritthalb = 2,5
vierthalb = 3,5
fünfthalb = 4,5 usw.
Siehe: http://canoo.net/blog/2008/08/31/eins-komma-funf-eineinhalb-und-anderthalb/
Hallo Christian,
dankeschön für den Hinweis – ich kenne auch nur anderthalb (und sag das als Bayer auch) – aber dritthalb, vierthalb mit dieser verwirrenden Bedeutung ist mir komplett neu. Irre!
Wieder was gelernt.
Schöne Grüße
Gitte
(leider etwas verspätet, weil die Zeit schneller läuft als mein Zeitgefühl)
Im Bayrischen gibt es doch ein elegantes Wort für eine verneinung:
“Schaun wir mol”
… hahaha, Alfons, stimmt: schaumermoi (etwas unterschiedlich ausgesprochen, je nach Bayernecke) ist auch gut!
Hallo Gitte,
nicht gerade nein, aber etwas was man eigentlich nicht macht: Äppel klauen über´n Zaun (Äpfel mopsen), sehr schön von Ina Müller und Jan Fedder gesungen und wohl so einigermaßen auf für andere Ohren als Hamburger zu verstehen
http://www.youtube.com/watch?v=6opWBtkLAcU
Hi Ihr,
ich komm aus dem Fränkischen und wohne schon lange in Norddeutschland – hab mich köstlich amüsiert, über beide Sprachteile
Von früher kenn ich als Abschiedgruß dann auch das verniedlichte “Adele”. Und “Bidigod” (Zu Deutsch: “Behüt dich Gott”).
Besonders nett finde ich übrigens die Erklärung meiner Mutter, wenn jemand auf Ansprache nicht reagiert: “Der hod grod ka Bauernschbreckschdund!” (Der hat grade keine Sprechstunde für Bauern).
Und zum Thema “nein” gibt es hier für Kopfnicken/Kopfschütteln “nickköppen” und “schüttköppen” – also “er schüttelt den Kopf” heißt “he schüttköppt”
Liebe Grüsse aus Kiel,
Pia
Danke für die schönen Beispiele, Pia (wieder was gelernt). – Die “Bauernsprechstunde” samt Einsatzgebiet finde ich großartig!
Die verschiedenen Wörter für nicken und Kopf schütteln sind auch witzig. Sehr präzise.
Dialekt ist schon witzig. Vor allem, wenn man sich so gar nichts drunter vorstellen kann. Bei “schüttköppen” wäre mir im Leben nicht eingefallen, was das sein könnte.
Schöne Feiertage!
Gitte